Wertperspektive

Vom Falschgeldsystem zu echten Werten

Staatsgläubig bis zum (bitteren) Schluß

Wenn es in Deutschland eine unverrückbare Konstante gibt, dann ist es die Staatsgläubigkeit. Ich könnte auch sagen: die Obrigkeitsgläubigkeit, denn genau betrachtet läuft es auf exakt dasselbe hinaus.

Hier geht es nicht zufällig um Glauben, Gläubigkeit. Man könnte nun an Religion denken, speziell an theistische Religionen wie das Christentum. Und genau das ist der springende Punkt. Was ist zentral am Christentum? Der Glaube an Gott. Also an eine höhere Macht, die alles lenkt. Die uns geschaffen hat. Die uns am Leben erhält. Vor der wir nach unserem Ableben Rechenschaft ablegen müssen, nämlich wenn sie uns danach einschätzt, ob wir ihre Maßgaben auch richtig befolgt haben. Dann werden wir belohnt oder bestraft.

Ist das nicht die ultimative Obrigkeit? Aber wer sagt denn, daß es die überhaupt gibt? Richtig: Wir wissen es nicht, es fällt auch bei genauerer Betrachtung äußerst schwer, dafür Indizien zu finden, daß es sich so verhält. Das ganze Konstrukt kommt allein durch unseren Glauben zustande, unseren Glauben an eine höhere Macht.

Nun ist das christliche Weltbild in letzter Zeit etwas aus der Mode gekommen. Die meisten greifen nur noch in bestimmten Situationen darauf zurück. Dafür ist ein anderer "Gott" an die Stelle des christlichen Gottes getreten: der Staat. Interessanterweise geht es um den fast jeden Tag, oder eigentlich fast immer. Wenn Gott für die meisten nicht mehr allgegenwärtig ist — der Staat ist es. Durch den drohenden Staatsbankrott (erst Griechenlands — aber keine Angst, Deutschland kommt auch noch dran!) rückt uns der Staat immer näher "auf den Pelz".

Genauso, wie der Gottesgläubige in schicksalhaften Situationen auf Gott und dessen Unterstützung baut, baut der heutige Staatsbürger auf den Staat. Der wird es, wenn es ganz schlimm kommt, sicher richten. Der Vorteil ist hier sogar: den Staat gibt es wirklich; jeder kann sich sofort davon überzeugen. Der Staat nimmt und der Staat gibt. Haben wir nicht unsere Bildung, unser Wissen, unsere Fähigkeiten vom Staat — nämlich erworben in staatlichen Bildungsanstalten, bis hin zur vorbereitenden oder Berufs-Ausbildung an Universitäten und Fachschulen? Baut nicht der Staat für uns Straßen, Krankenhäuser, Parks, Sportstadien; regeln nicht staatlich bestellte Richter dafür, daß es Gerechtigkeit gibt und wir vor Kriminellen bewahrt werden? Sorgt nicht unsere Regierung, also die Staatsspitze, dafür, daß alles in unserem Land mit rechten Dingen zugeht und unsere Interessen gegenüber dem Ausland angemessen vertreten werden?

Aber was ist "der Staat" überhaupt? Ich behaupte: So etwas wie "der Staat" existiert überhaupt nicht. Er ist genauso eine aus Schutz- und Pflegebedürfnissen entstandene Projektion einzelner Menschen, nämlich derjenigen, die an ihn, an seine Existenz, an sein wohlwollendes Wirken glauben, wie Gott. Es ist diese Projektion, diese Vorstellung und die Tatsache, daß eben, genau wie bei Gott, so viele andere ebenso denken und sich dadurch millionenfach gegenseitig bestärken, daß es so sei —: all dies zusammen bewirkt, daß der Staat groß, wichtig, erhaben und bedeutsam erscheint. Fast wie ein Lebewesen. Wie ein Übervater. Er kümmert sich um die Schwachen und Kranken, bestraft die Sünder, gibt dem einzelnen einen Platz im Leben. Keiner ist mehr allein im Staat, jeder ist Teil von ihm. Damit gewinnt die Projektion den Charakter von tatsächlicher Realität.

Es ist diese mächtige kollektive Projektion, die den einzelnen klein, abhängig und infantil werden läßt. Verantwortung wird abgegeben — an ein Phantom. Nun kommen die Politiker ins Spiel. Sie laben sich an der Energie dieser Projektion, spielen die Vermittler zwischen Kleinem Mann und großem Sinn- und Bedeutungsrahmen. Geld kommt ins Spiel, viel Geld, immer mehr Geld. Der Staat ist heute dasselbe wie der Vatikan im Mittelalter, als man sich durch Zahlen von Ablaßgeldern von seinen Sünden freizukaufen versuchte. Eine Geldkrake, eine Machtkrake.

Je größer und bedeutsamer du den Staat werden läßt, desto kleiner und unwichtiger wirst du! Und weg ist dein Geld! Es kommt nicht wieder zurück, genauso wenig wie im Mittelalter das an den Vatikan gezahlte Ablaßgeld. Die Bonzen mästen sich. Ein Krebsgeschwür von einer immer hemmungsloser wuchernden Bürokratie entsteht. Dort werden mehr und mehr Posten und Ämter geschaffen. Die Funktionsträger wählen sich gegenseitig, heben den skrupellosesten unter ihnen auf den Schild, auf daß er über dem von ihnen geschaffenen Moloch präsidiere. Das Volk darf dann demütig emporblicken. Vielleicht erhascht es ja einen Blick ihrer Oberen, und dann ist es glücklich.


Inzwischen könnte man denken, den Deutschen wäre die Staatsgläubigkeit bereits mit den Genen beigemischt worden; sie wäre eines ihrer typischsten Wesensmerkmale. Mir fällt das am meisten dort auf, wo sich Deutsche mit ungewohnten Initiativen und Ideen auseinandersetzen. Der erste Reflex ist immer: Verträgt sich das mit unserem Staatswesen? Ist das auch legal? Wird der Staatsapparat das auch tolerieren? Zwei Beispiele aus neuerer Zeit:

Als die Digitalwährung Bitcoin im Frühjahr 2011 vermehrt diskutiert wurde, kam praktisch auf jeder deutschen Webseite und in jedem Kommentar eines Deutschen als erstes die Frage nach der "Legalität". Bitcoin sei nicht staatlich genehmigt, bedrohe sogar das Bankensystem. Es ermögliche, "am Staat vorbei" (gemeint ist hauptsächlich das Finanzamt) Geldtransaktionen zu tätigen. Auf einer Webseite wurde dann mit wohlwollendem, Bitcoin scheinbar begünstigendem Tonfall vorgeschlagen, der Staat solle sich dieser Währung annehmen und eine von ihm beaufsichtigte Variante schaffen. Andernfalls käme es sicher zu Verboten, ja, Verbote drängten sich regelrecht auf.

Wem? Dem Schreiber? Wessen Interessen vertrat er denn hier? Eigene, oder die des Staates? Und noch einmal die Frage: Wen meint er überhaupt, wenn er von "dem Staat" spricht? Das Finanzamt? Das Bankensystem? Das Finanzministerium? Ebendieses Denken zeigt sehr schön, wie Obrigkeitshörigkeit tickt: Man erzeugt aus seiner eigenen Vorstellung heraus ein Gebilde, das noch gar nicht real vorhanden ist, irgendeine "kontrollierende Instanz", irgendwelche "Zuständigen" und "Verantwortlichen". Die sollen sich nun um das Problem kümmern; oder man befürchtet, daß sie sich darum kümmern könnten — was exakt auf dasselbe hinausläuft, nämlich die Verfestigung der eigenerzeugten Projektion. Man nennt so etwas auch vorauseilenden Gehorsam.

Nun stelle man sich vor, Bargeld gäbe es nicht, und einer erfände in diesen Tagen die Zahlungsweise, mit Bargeld zu zahlen, als ganz neue Möglichkeit. Würde das nicht ebenso "den Staat" bedrohen? Verlöre dieser dann nicht ebenso wie bei Bitcoin die Kontrolle über die Zahlungsvorgänge? Könnte diese "neue Art Geld" nicht auch zu kriminellen Transaktionen herhalten? — Das Beispiel zeigt: Beim Deutschen geht sofort da, wo es sich um einen nicht-staatlich-kontrollierten Lebensvorgang handelt, die Klappe herunter. Oder gar: nicht kontrollier-bar! Das ist ja noch schlimmer! Er bekommt Schuldgefühle, sieht in jedem möglichen Ausdruck seiner Freiheit eine Bedrohung. Sicher und gut ist man da, wo man unfrei ist. Da ist die Welt in Ordnung. Aber wo sich neue Horizonte eröffnen, wo etwas bislang Ungewohntes plötzlich möglich werden könnte — da wird zuerst in den Gesetzen geblättert, da bekommt man Angst, rennt zu Papi und will es "genehmigt" kriegen.

Zweites Beispiel: In diesen Tagen taucht wieder Professor Kirchhofs Modell einer vereinfachten Steuererhebung auf. "Vereinfacht" meint: statt ein paartausend Paragraphen jetzt nur noch hundertsoundsoviel, statt ca. 10-40% Steuersatz jetzt einheitlich ca. 25%. Wichtigster Punkt — und es ist genau das, was von allen als erstes angesprochen und überprüft wird —: Bekommt der Staat dann auch noch genauso viel Geld wie vorher? Wenn ja, kann man darüber reden. Aber bloß daß keiner das Budget des heillos aufgeblähten Staatsapparats antaste!

Wenn ich das mit unserer Freiheitsvision einer Neuen Deutschen Republik mit neuer Verfassung vergleiche: Da gibt es einen Steuersatz von 10% für jeden, und der Staatmoloch wird radikal angegangen, heruntergebrochen, zusammengestrichen. 10 %: das ist ein viel humanerer Steuersatz (10% waren, schaut man sich die Menschheitsgeschichte an, immer die allgemein akzeptierte Regel — man nannte das auch den Zehnt); und er funktioniert auch. Denn da die horrenden Kosten des Staatsmolochs entfallen, wird die gesamte Lebensenergie (die Kirchhof unbedingt weiter in exakt demselben Ausmaß abzapfen will, wie es jetzt schon zur Krankheit und zum Elend aller Deutschen geschieht) nun auf einmal wieder freigesetzt und fängt an, den einzelnen Bürgern zugute zu kommen. Die eigentlich der Staat sind. Sie selbst sind der Staat, und nichts und niemand anderes! Und sie sind frei; sie sind niemand untertan, auch keinem Merkel- oder Barroso-Regime!

Wir brauchen diesen Staat nicht! Wir brauchen die verlogenen Politiker mit ihren intriganten Parteien nicht! Wir sind auch nicht verpflichtet, die Hofberichterstattungsmedien mit ihren schleimigen Reportern, Moderatoren und Talkmastern zu bezahlen, die mit ihren teuren Kameras und Übertragungswagen hinter diesen Politdarstellern herscharwenzeln und kriecherisch-demütig jeden ihrer dummen, menschenfeindlichen Sprüche als großartige Verlautbarung per Fernsehen verbreiten! Wir brauchen nicht die sündhaft teuren (und außerdem gesetzwidrigen) Kriege und Auslandseinsätze! Wir brauchen die horrenden, das ganze Land erdrückenden Tributzahlungen an die EU-Diktatur in Brüssel und an bankrotte Pleitestaaten nicht! Wir brauchen keine Stadtteile und Hochhäuser voller sesselfurzenden Ministerialbürokraten und Rechtsverdreher, die sich von unserem Geld mästen, sich immer neue Beleidigungen für den gesunden Menschenverstand ausdenken und dem einfachen, unbescholtenen Bürger das Leben immer schwerer machen. Was für ein Aufatmen würde durch dieses Land gehen, wenn wir diese ganzen Schmarotzer, Widerlinge und Unholde endlich vom Hals hätten! Und plötzlich funktionieren die 10% viel realistischer, als sich das der kleine obrigkeitshörige, gehirngewaschene deutsche Untertanengeist jemals zu erträumen wagte!

Der Haupteinwand, der aus ebendiesem Geist stets wie ein erster Lebensreflex erwächst, lautet natürlich: Dazu wird es aber nie kommen! Niemals werden die Deutschen es zulassen, daß dieser Staat wieder schrumpft. Interessantweise wird es dem Kleingeist aber gar nichts helfen, sich mit diesem Argument wieder in seine alte Vertrautheit zu flüchten. Denn: Dieses Staatssystem ist schon jetzt de facto bankrott. Es ist bereits jetzt schon so gut wie tot. Man kann es nicht weiter aufrechterhalten. Bereits jetzt klappt das nur noch über Aufnahme von Schulden in astronomischer Dimension. Bezahlen kann man es nicht, und wird es auch nie können. Genau das ist die Chance, von der ich schrieb: die einmalige historische Gelegenheit.

Aber wie hieß es immer in der deutschen Geschichte, ob beim Kaiser oder beim "Führer": Sich für Volk und Vaterland opfern. Sich also für den Staat opfern? Auch noch das Letzte für ihn geben, bis hin zum eigenen Wohl und Wehe? Das hätte wohl auch Merkel gerne, selbst wenn sie es nur andeutet, aber nicht offen sagt. Jetzt alles hineinbuttern ins europäische Faß ohne Boden? Sich opfern für den europäischen Großstaat? Willst du das? Willst du bis zum bitteren Ende zahlen, auch wenn es keinem mehr zugute kommt, außer der Staatsidee als solcher, vertreten von einer abgehobenen, im Elfenbeinturm verwaisten Bonzenclique? Sinnloser und absurder geht es nicht mehr. Der Gipfel der Selbstverleugnung wäre damit mal wieder erreicht. Auch in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs hatte es ja noch überzeugte Nazis gegeben, die, während ihre Freunde und Verwandten den einrollenden Amerikanern die Hände reichten und sich über das Kriegsende freuten, noch meinten ihr Leben opfern zu müssen. Wofür? Dafür, daß sie von ihrer Projektion nicht lassen konnten, sondern dieser alles unterordneten.

Dieser Staat wird in sich selbst kollabieren wie ein angestochener Luftballon. Es gibt noch einen lauten Knall, und dann ist Schluß.

Wer also meint, er bräuchte solch einen Monsterstaat, der muß dann damit beginnen, dieses schreckliche Gebilde, das uns allen die Energie absaugt, wieder von Anfang an zu organisieren und ihm eine künstliche (und wiederum bloß vorübergehende) Lebensfähigkeit einzuhauchen. Viel Spaß mit diesem Projekt wünsche ich! Wer meint, sich das antun zu müssen, der soll es gerne tun.

Mafia und Staat — Video von Oliver Heuler

Kurzweiliges, gut gemachtes Video in zwei Teilen von Oliver Heuler, in dem er der Frage nachgeht, inwieweit sich unser Staat eigentlich von der Mafia unterscheidet:

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