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Präsenz-Logbuch

Die Person ist das Hindernis

GLR | 14.5.2024

Im Hier und Jetzt gibt es keine Person, nur Wahrnehmung. Die Person ist ein Konzept, das vom Verstand dem mit Namen bezeichneten Körper (den eigenen und denen anderer) übergestülpt wird.1

Aber gehe einfach von der Präsenz im Hier und Jetzt aus und beobachte selbst, finde selbst heraus. Was ist jetzt da? Natürlich nur Wahrnehmungen. Auch die Gedanken im Kopf und die Gefühle gehören zur Wahrnehmung.

Das bedeutet: Wenn du von dem, was jetzt da ist, ausgehst und nicht ins assoziative Denken abdriftest, bist du wach und bewußt. Kannst du das jetzt probieren? Kannst du dann dieses Jetzt "verlängern"? D.h., einfach weiter in diesem Zustand, nämlich im bloßen gegenwärtigen Moment, verweilen?

Das ist, was ich mit diesem bestimmten "Gefühl" oder dieser "Empfindung" von Anwesenheit (Präsenz) meine. Du merkst jetzt auch den Unterschied zu deinem sonst meistens bestehenden Zustand, der im Unterschied hierzu wie eine Wolke im Kopf auftritt. Und diese Wolke entführt dich dann in alles, was mit der Person und anderen Personen zu tun hat. Dann bist du "eingeschlafen".

Du machst dir dann Gedanken, was du getan hast oder tun wirst, was du gesagt hast oder sagen wirst, was andere getan haben oder tun werden und was andere gesagt haben oder sagen werden. Ohne die künstlich aufgepfropfte Idee von der Person würde das nicht gehen; dann wäre das alles nur ein Geschehen, unpersönlich. Und es würde jetzt geschehen, oder gar nicht — dann wäre es nur in deiner Einbildung vorhanden. Warum sich aber mit Dingen belasten, die nur in der Einbildung existieren?


Versuchen Sie zu sein, einfach nur zu sein. Das wesentliche Wort dabei ist "versuchen". Nehmen Sie sich genug Zeit, um täglich still zu sitzen und zu versuchen, nur zu versuchen, über das Persönliche mit seinen Verhaftungen und Zwangsvorstellungen hinauszugehen. Fragen Sie nicht wie — man kann es nicht erklären. Versuchen Sie es einfach immer wieder, bis Sie Erfolg haben. Solange Sie nicht aufgeben, kann es nicht fehlschlagen.

Das Wichtigste sind Aufrichtigkeit und Ernsthaftigkeit. Sie müssen es wirklich satt haben, die Person zu sein, die Sie sind, und die dringende Notwendigkeit erkennen, von dieser unnötigen Selbstidentifikation mit einem Bündel von Erinnerungen und Gewohnheiten frei zu werden. Dieser ständige Widerstand gegen das Unnütze ist das Geheimnis des Erfolgs.

Schließlich sind Sie in jedem Augenblick Ihres Lebens das, was Sie sind, aber Sie sind sich dessen niemals bewußt, außer vielleicht, wenn Sie morgens aufwachen. Sie müssen sich nur gewahr sein, zu sein, nicht als eine verbale Behauptung, sondern als eine immer vorhandene Tatsache. Das Gewahrsein, daß Sie sind, wird Ihnen die Augen für das öffnen, was Sie sind.

Das alles ist ganz einfach. Stellen Sie zunächst einen ständigen Kontakt mit Ihrem Selbst her, verweilen Sie ununterbrochen bei sich selbst. Aller Segen fließt in das Selbstgewahrsein. Beginnen Sie als ein Zentrum der Beobachtung, der bewußten Erkenntnis, und werden Sie zu einem Zentrum der Liebe in Aktion. Das "Ich bin" ist ein winziger Same, der zu einem mächtigen Baum heranwachsen wird — ganz natürlich, ohne die geringste Anstrengung.

Nisargadatta Maharaj: Ich bin III, S. 246

1 Das zu begreifen oder überhaupt in Erwägung zu ziehen ist für den westlich geprägten Menschen schon zuviel; der bloße Gedanke wird bereits reflexhaft verworfen.

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