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Präsenz-Logbuch

Das innerliche Zurücktreten

GLR | 13.5.2024

Man nennt das auch Gelassenheit, aber mir geht es mehr um den direkten, praktischen inneren Schritt. Normalerweise sind wir entweder in einem Zustand der Getriebenheit, bei dem der Verstand recht aktiv ist, oder in einem Zustand des schlaffen Dahindämmerns, bei dem Bewußtheit und Gewahrsamkeit kaum oder gar nicht mehr vorhanden sind.

Das innerliche Zurücktreten bedeutet, sich aus der Identifizierung mit dem (inneren oder äußeren) Geschehen auszuklinken und in eine neutrale, gelöste, entspannte und akzeptierende Beobachterhaltung zu gelangen. So seltsam das klingt, aber den meisten ist diese Haltung komplett unbekannt; deshalb wird sie hier ausdrücklich erwähnt und wird vorgeschlagen, mit ihr zu experimentieren, um sich näher mit ihr vertraut zu machen.

Du kannst das Hinüberwechseln in diesen Zustand ganz direkt an der Abnahme der Muskelverspannung im Körper verifizieren. Vor allem im Nacken, aber auch in den Augen und in der Stirn.

Das innerliche Zurücktreten ist angenehm und wohltuend, so daß man sich fragen kann, warum man es nicht immer praktiziert. Das hat mit dem in dieser Kultur vorherrschenden Dauerstreß-Verhalten zu tun, einem permanenten Auf-der-Hut-Sein, oft auch einer permanenten Unzufriedenheit, die sich in Mißtrauen und Widerstand ausdrückt. Dieser sogenannte "kritische" Zustand ist aber meistens nur noch eine abgestumpfte Pose und hat mit echtem selbständigen Denken und Wahrnehmen nichts zu tun. "Kritisch" ist der Verstand, der stets nach Kontrolle und nach Steuerung der Situation strebt; es entsteht dadurch ein ständiger Konflikt, ein Ablehnen, ein Kämpfen, Wollen, Müssen und Sollen. Nichts davon ist hilfreich oder konstruktiv, sondern es zermürbt und macht dauerhaft unzufrieden. Auch Konsum, Betäubung, Unterhaltung und Ablenkung helfen nicht, denn es hat kein bewußtes Nachgeben und Umschalten stattgefunden.

Präsenz und innerliches Loslassen stehen in direkter kausaler Verbindung. Das Loslassen und Zurücktreten eröffnet einen Freiraum, in dem sich die Gewahrsamkeit wieder öffnen und wieder empfänglicher und intelligenter sein1 kann.

1 Auch dies ist keine Übung, sondern eine einfache Wiederentdeckung und eine Rückbesinnung auf eine tieferliegende Wahrheit.

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