Wertperspektive

Vom Falschgeldsystem zu echten Werten

Das Weihnachtsoratorium, oder warum Auswandern keine Lösung ist

GLR | 25.12.2019

Aus dem Gelben Forum:

Das Weihnachtsoratorium, oder warum Auswandern keine Lösung ist
verfasst von Plancius, 24.12.2019, 15:10

Meine Frau und ich gehen fast jedes Jahr in Bachs Weihnachtsoratorium. Ich bin jedes mal zutiefst gerührt von der Musik, dem Chor und der festlichen Atmosphäre in der Kirche. Seit einigen Jahren kommen mir im Konzert immer die Tränen, weil ich mir zu diesem Zeitpunkt immer bewusst werde, dass wir Träger einer wunderbaren Kultur und geistigen Schöpfung sind, unsere Generation den Staffelstab, den uns unsere Vorfahren weitergereicht haben, einfach so ohne äußere Not fallen lässt, um diese wunderbare Kultur auch weiter in die Zukunft zu tragen.

Ich schäme mich dann so vor Johann Sebastian Bach, meinen Großeltern, überhaupt allen Vorfahren, die Deutschland mit ihrem Blut verteidigt haben, so dass ich hier heute überhaupt leben kann. Ich kann es dann einfach nicht fassen, wie unsere Generation so jämmerlich versagt, eine solche Person wie eine dermaßen schwache Kanzlerin und ein derart heruntergekommenes politisches Establishment, die nichts zu bieten haben, als uns unseren Feinden dem Fraß vorzuwerfen, aus ihren Ämtern zu jagen.

Ganz im Gegenteil, wenn ich mir dann die Musiker, den Dirigenten, den Chor anschaue, sind gerade diese Menschen, die wahrhaftige Träger unserer Kultur sind, dann in der Mehrheit doch zutiefst gutmenschlich verseucht und in der Praxis die eifrigsten Verfechter der Abschaffung unserer Kultur. Ich, der ich ihr künstlerisches Wirken zutiefst schätze, würde dann, wenn es denn nach ihnen gehen würde, mit meine politischen Ansichten auf einem Scheiterhaufen brennen.

Gerade in der Weihnachtszeit spüre ich, dass ich ein nordischer Mensch und zutiefst in diesem Land und seiner Kultur verankert bin. Wahrscheinlich geht es der Mehrheit meiner Landsleute so. Auch wenn die Zeiten härter werden, ist es für die Mehrheit der Menschen hier keine Option, das Land zu verlassen und auszuwandern. Letztes Jahr waren wir in der Adventszeit in Südafrika. Auch wenn es dort weihnachtlich geschmückt ist, sind wir wehmütig geworden und waren froh, Weihnachten doch zu Hause feiern zu können. Das Fehlen der Heimat können Sonne und ein angenehmes Klima nicht aufwiegen. Viele Menschen zerbrechen innerlich in der Ferne, weil ihre Seele einfach hier beheimatet ist.

Auch wenn Andreas Popp entsprechend rationaler Kriterien nach Kanada ausgewandert ist, @NST jetzt in Thailand wohnt und @Cascabel sich seine Burg in Panama aufbaut. Seien wir ehrlich, die Geschichte zeigt, nur den wenigsten Menschen ist es vergönnt, ein Globetrotter zu sein und seine Zelte irgendwo auf der Welt aufzustellen, ohne den Verlust der Heimat zu verschmerzen. Ich würde jedenfalls die weihnachtliche Dunkelheit, die winterliche Kälte, die Konzerte in den Kirchen sehr vermissen. Auswandern ist für die überwiegende Mehrheit keine Option, den Problemen zu entfliehen. Sie holen einen ein oder neue Probleme in derselben oder noch größeren Schwere ergeben sich. Aufgabe unserer Generation ist es, hierzubleiben, zu kämpfen, die Verräter unter uns zum Teufel zu jagen und den Staffelstab an unsere Nachfahren weiterzureichen.

Meine Anmerkung

Es ist immer wieder interessant zu sehen, daß das, was hier als Identifikationsmöglichkeit mit Deutschland angesprochen und mit starken positiven Gefühlen aufgeladen wird, die Arbeit eines Einzelnen (noch nicht einmal einer kleinen Gruppe oder eines Teams) ist. Jedes Mal wird unterschlagen, daß diese Einzelnen zu Lebzeiten von ihren — wohlgemerkt: deutschen — Zeitgenossen und Mitmenschen teilweise wie Hunde behandelt worden und nie wirklich anerkannt worden sind.

Deutschland ist, als Kollektiv gesehen, nicht das Land der Dichter und Denker (oder der genialen Musiker wie Bach, Mozart oder Beethoven). Sondern diese Künstler und Kreativen mußten sich, gegen große Widerstände, in ihrer jeweiligen Umgebung oft hart und entbehrungsreich, mit vielen Anfeindungen und Erniedrigungen, behaupten. Am Ende reklamiert dann eine Massengesellschaft, die in der jeweiligen Gegenwart ebendiese widrigen, teilweise sogar feindlichen Umstände immer von neuem erschafft, die Leistungen dieser Früheren für sich und benutzt sie als Aushängeschild.

Trotzdem gibt es deswegen noch lange keinen Grund zur Bitterkeit. Ich wollte einfach nur die tatsächlichen Relationen wieder ins Gedächtnis rufen. Es ist einfach so und es wird auch immer so sein. Diese Einzelnen machen das eigentliche, wahre Herz nicht nur einer Kultur wie der deutschen, sondern auch der englischen, französischen, italienischen usw. aus. Der Wert, den sie leisten, ist sogar so hoch, daß er für das Gros ihrer Zeitgenossen viel zu hoch ist, als daß diese ihn überhaupt wahrnehmen könnten. Da aber der Wert da ist und bleibt, setzt er sich nach einer gewissen Zeit durch. Und das ist dann die enorme Wirkung, die eine Zivilisation stärkt und von innen heraus beseelt.

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