Wertperspektive

Vom Falschgeldsystem zu echten Werten

Das Jammern muß aufhören

GLR | 8.12.2019

Natürlich bzw. leider wird das Jammern nicht deshalb aufhören, weil ich das hier fordere. Ich schreibe das folgende auch für mich selbst, denn ich muß mir eingestehen, nicht selten ebenfalls dieser Schwäche zu erliegen.

Ich meine das Jammern über die Zustände der deutschen Medien, der deutschen Politiker, der deutschen Parteien, sowie weiterer Bestandteile der öffentlichen und politischen Landschaft. In der Glosse Presse-Deutsch / Deutsch-Presse ist es zwar satirisch überspitzt, aber doch in der Sache sehr klar und nachvollziehbar auf den Punkt gebracht:

Nun wird landauf landab über die sog. Lügenpresse geschimpft. Das kann ich gar nicht verstehen. Im Gegenteil - ich erkläre Euch, warum das gänzlich unangebracht ist.

Schauen wir in die DDR. Da gab es die Staatspresse und das Westfernsehen. Wenn jemand halbwegs ordentlich informiert werden wollte, hat er halt Westfernsehen geschaut. Da es jeder gemacht hat, war die Partei auch machtlos und hat es hingenommen.

Wer kein Westfernsehen schaute oder es nicht schauen konnte, der hat zwischen den Zeilen gelesen. Bestimmte Infos waren mit bestimmten Codes versehen, die zu dechiffrieren nicht schwierig waren.

Heute brauchen wir kein Westfernsehen mehr, denn es gibt das Internet und die Schweiz. Wer also unbedingt tagesaktuelle Infos konsumieren will, der braucht den wertlosen Propagandamüll aus deutschen Redaktionsstuben weder zu lesen noch dafür zu bezahlen (Staatsfernsehen lassen wir jetzt mal außen vor).

Kein Wunder, daß den ansonsten sofort mit ihren flapsig-abfälligen Sarkasmen bereitstehenden steemit-typischen Kommentatoren, die immer noch eins mit Hinblick auf Weltuntergangshäme draufsetzen können, diesmal (bis jetzt zumindest) noch nichts eingefallen ist. Denn es darf ja nicht auf etwaige Konsequenzen in Form eigener Verhaltensänderung hinauslaufen. Ablästern und ätzend ironisch Giften — klar. Aber die altgewohnten Mechanismen bei sich selbst abändern — nein danke!


Ich fasse zusammen: Niemand wird gezwungen, sich anlügen oder desinformieren zu lassen. Es gibt auch andere Medien, und was noch wichtiger ist: Es gibt in diesem Land neben dem vielen, was einen stört und nervt, auch andere Vorschläge, andere Gesichtspunkte, andere Denk- und Fühlweisen. Und vor allem gibt es auch andere Menschen, nämlich Menschen, die sich an Tatsachen statt an Propaganda orientieren, und die die Fakten aufdecken und ansprechen.

Genau so, wie es eine Unart ist, ungesunde Nahrung zu sich zu nehmen oder ungesunde Getränke zu trinken, einen ungesunden Lebensstil zu pflegen, in verunreinigter häuslicher Umgebung zu existieren und sich Menschen zuzugesellen, die eine ungute Ausstrahlung haben und einen herunterziehen, kann man das auch mit den anderen Einflüssen und Eindrücken halten, die man tagein tagaus auf sich einwirken läßt.

Ich stelle aber fest, daß viele, wenn nicht die allermeisten, in diesem Land gar kein Interesse daran haben, Qualität in ihrem Leben zu bevorzugen und sich damit eingehend vertraut zu machen, sondern daß es ihnen ein masochistisches Vergnügen zu bereiten scheint, auf allen möglichen Kanälen und Plattformen ihrer Frustration und ihrem Unmut freien Lauf zu lassen.

Warum aber tun sie das? Ich glaube noch nicht einmal, daß es sich um ein direktes Laster, um Dummheit oder um eine Neigung zum Minderwertigen handelt, sondern daß dahinter einfach nur ein grundfalscher Glaube steht, der Glaube nämlich, daß schlechte, unangenehme und ärgerliche Dinge dadurch besser werden, daß man sich ihrer Minderwertigkeit immer wieder und mit besonderer Gründlichkeit bewußt wird. Und daß es noch mehr helfen würde, wenn möglichst viele, am besten sogar eine weit überwiegende Mehrheit, sich dieser Fokussierung auf das Unangenehme und Unerfreuliche gemeinsam hingeben würden.

Was diese Menschen aber nicht können, ja was sie sogar als Verrat an der soeben erwähnten Ausrichtung und der damit verbundenen Agenda des Dauerempörtseins einstufen, das ist das Absehen von dieser für sich und für jeden anderen im Grunde doch völlig unsinnigen, fruchtlosen Beschäftigung. Sie verbeißen sich regelrecht in das, was sie stört. Das wiederum hindert sie daran, das wahrzunehmen, was zur Besserung führen könnte. Sie sehen diese anderen Möglichkeiten und Angebote einfach nicht. Sie sehen auch nicht diejenigen Menschen, die Lösungen für ihre Probleme und Ärgernisse anzubieten haben.

Eine einfache Umorientierung würde hier bereits Wunder wirken. Eine einfache Umorientierung würde diesem Land und seiner Kultur unendlich gut tun, und jedem einzelnen noch dazu. Man müßte einfach nur ins Licht statt in die Dunkelheit blicken. Der beste "Kampf" gegen das Unerwünschte ist, ihm keine weitere Aufmerksamkeit zu schenken. Wer dies nicht schafft, ist um keinen Deut besser als alle diejenigen, die der Jammerer und Empörte als Schuldige und Verursacher seiner Ärgernisse ausgemacht hat.

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