Wertperspektive

Vom Falschgeldsystem zu echten Werten

Geld und Kryptowährungen

GLR | 3.2.2018, Update 4.2.

Hier meine Reflexionen zu den beiden konträren Videos, die ich im Blogeintrag Kryptowährungen: 2 Videos gepostet hatte:

Zuerst einmal finde ich es bemerkenswert, daß Mike Maloney und Brother John F sich nun geradezu als Befürworter der Kryptowährungen ins Zeug legen. Ersterer als Edelmetallhändler und Aufklärer in Sachen Gold und Silber, sowie als derjenige, der in allen letzten Jahren vehement und, wie ich finde, auch sehr glaubwürdig für eine Vermögensanlage in echten Werten plädiert hatte. Und zweiterer als ebenfalls jahrelanger Silber-Experte, ebenfalls mit einem Schwerpunkt auf Anlagen in tangiblen, soliden und unzerstörbaren Werten, in diesem Fall Silber. Ich gehe davon aus, daß beide ihre Durststrecke aufgrund des nicht eingetretenen, obwohl für wahrscheinlich gehaltenen Crashs des ungedeckten Papier-Betrugssystems durchzumachen hatten, was sich dann auch in einem teilweise längeren Verstummen und in Videopausen ausdrückte.

Speziell Brother John F taucht nun plötzlich aus der Versenkung auf und beschreibt Kryptowährungskurse im selben Stil wie zuvor Silberkurse, fast schon so, als sei Silber gar kein Thema mehr, und nun Bitcoin & Co. das Hauptinteresse. Ich erwähne das alles aber nur am Rande, denn eigentlich sind Kryptowährungen für jeden Befürworter von Marktgeld, also von echter, einer offenen und freiheitlichen Gesellschaft allein würdigen Geldfreiheit, stets eine vollauf berechtigte Option. Auch ich habe ja schon ca. 2009 bei der Arbeit für mein Buch über das Falschgeldsystem (wahrscheinlich als einer der ersten, wenn nicht der erste überhaupt, in Buchform) auf Bitcoin als Marktgeld-Modell hingewiesen. Der Marktgeld-Gedanke lebt ja gerade vom freien Geldwettbewerb, und jeder, der das verstanden hat und gut findet, sowie jeder, der das monopolistische Papiergeld der Zentralbanken als einen wahren Hohn und als grundlegend illegitim und täuschungsbehaftet betrachtet, wird Kryptowährungen begrüßen.

Seltsam wird es aber, wenn wir zu der Stimmungsmache kommen, der anscheinend beide Experten aufgesessen sind. Auf einmal vernachlässigen sie den Aspekt der Solidität und Glaubwürdigkeit. Denn jedes verläßliche Geldkonzept muß unbedingt glaubwürdig, legitim, fair und jederzeit überprüfbar sein. Eine Grauzone darf es bei Werttransaktionen nicht geben. Investitionen, die plötzlich auf Nimmerwiedersehen verschwinden, darf es ebenfalls nicht geben. Dubiose Anbieter und Tauschplattformen, die zuerst in aller Munde sind, nur um einige Zeit später geschlossen zu werden, bankrott gehen, nicht mehr erreichbar sind oder denen unredliche Geschäftspraktiken nachgewiesen werden, haben in diesem Bereich nichts zu suchen.

Nun komme ich zu dem Video von Chris Duane, der bekanntlich ein ausgewiesener Gegner der Kryptowährungen ist und auch den Aspekt des Marktgeldes strikt ableugnet. Man sehe sich zuerst unbedingt das in obigem Blogbeitrag gezeigte Video an und achte speziell auf die marktschreierische Präsentation anläßlich von BitConnect. Hier wird jedem, der etwas psychologisches Feingefühl mitbringt, intuitiv klar, was dabei nicht stimmt. Es handelt sich nämlich um das alte Betrugsspiel vom "Wert aus nichts", also vom Wert ohne dahinterstehende Leistung. Ebendiese Initiativen sind es, und das beobachte ich seit einiger Zeit auch bei sämtlichen (!) Kryptowährungen, die ein bemerkenswert oberflächliches, sensationslüsternes und gieriges Spekulantenwesen heraufbeschwören. Nicht Werte wie Gold und Silber, bei denen erst Leistung erbracht werden muß, um mit ihnen weiter zu tun haben zu können, sondern bloße Luftnummern, und das sind nun einmal auch Bits auf einer elektrischen Leitung, erringen die Faszination der Masse. Nochmal, damit das klar genug wird: Der Wert ist Sache der Wenigen, die Wertillusion ist Sache der Masse, und nicht zuletzt auch des Massenwahns und der Massen-Täuschung.

Das mag jetzt alles sehr moralisch und konservativ klingen. Aber es geht mir nicht um Moral, noch nicht einmal um Ethik. Ja, man könnte sogar den Aspekt der Rechtmäßigkeit hintanstellen. Es reicht, sich genauer anzuschauen, was die Natur der verschiedenen Arten von Währungen ist. (Ich nenne sie weiterhin Währungen, denn Geld ist nur, was alle Geldkriterien erfüllt, was also wirkliches Echtgeld ist.) Um dies anschaulich zu machen, habe ich zwei Diagramme erstellt: eines für Kryptowährungen und eines für die Edelmetalle Gold (bzw. auch Silber):

Diagramm

Ich betrachte hier Geld kurz gesagt als Leistungsübertragung per Information, mit dem unverzichtbaren Zusatzmerkmal der Wertspeicherung.

Man kann auch von einem fließenden und einem beharrenden oder bewahrenden (statischen) Charakter des Geldes sprechen, je nachdem, ob ein Transfer oder eine Aufbewahrung stattfinden soll. Unter diesen Aspekten zeigen sich schnell die Unterschiede der beiden Währungsmodelle.

(Vom Papier-Falschgeld à la US-Dollar, Euro, Pfund, Yen usw. möchte ich hier erst gar nicht sprechen, weil dieses als Trickkonzept etabliert ist, indem sowohl beim Fließen als auch beim Aufbewahren eine versteckte Umverteilung bzw. Enteignung zugunsten der Zentralbank-Hintermänner stattfindet.)

Diagramm

Wir kommen dem Unterschied beider Modelle näher, indem wir genauer auf den Aspekt Werterhaltungssicherheit achten. Die Werterhaltungssicherheit kommt bei den Edelmetallen zum einen durch die Meßbarkeit in Gewicht zustande; diese ist jederzeit objektiv verifizierbar. Ferner durch die mehrtausendjährige Werttradition, die wiederum durch die Bestandsknappheit der planetarischen Resourcen gewährleistet ist. Wir haben es quasi mit einem unmanipulierbaren Wertkriterium zu tun. Sowohl im fließenden als auch im beharrenden Zustand ändert sich der Wert nicht.

Die Werterhaltungssicherheit wird bei den Kryptos genialerweise durch die Blockchain-Technologie gewährleistet, die zu einer weltweit eindeutigen Zuweisung von Daten zu Werten führt und nicht fälschbar ist. Was den Transfer der Wertinformation auf elektronischem Wege betrifft, so sind Kryptowährungen Gold und Silber überlegen. Dieser Vorteil birgt aber zugleich die Schwäche, von entsprechenden Übermittlungstechnologien (hier ist es allein das Internet) völlig abhängig zu sein. Darüberhinaus wird inzwischen angezweifelt, ob diese Übermittlungstechnologie des Internet tatsächlich auf Dauer unabhängig von staatlichen Überwachungen und Regulierungen sein kann. (Sie ist es bereits jetzt schon so gut wie gar nicht mehr.)

Um hier den Vortragenden aus dem ersten Video (Brother John F, zitiert aus dem Corbett Report), nämlich Andreas Antonopoulos, zu erwähnen: Dieser stellt das gegenwärtige Internet mit einer frei nutzbaren Blockchain-Technologie als Ultima Ratio des freien Finanz- und Datenverkehrs hin und kündigt eine darauf basierende neue, noch nie dagewesene Epoche der Innovation und der Freiheit an. Diesbezüglich hege ich erhebliche Zweifel: Es wäre nämlich wirklich das erste Mal. Sämtliche neuen Erfindungen und Technologien, die zuerst zu Innovationsschüben und zu erheblichen Verbesserungen im Austausch freier Ideen und freien Wirtschaftens geführt haben, sind nach und nach von staatlichen Stellen eingeschränkt und überwacht worden. Weder hat die Druckpresse den Menschen geistig unabhängig gemacht (das bildet er sich heute in seiner Verblendung, gehirngewaschen wie er ist, nur ein), noch Rundfunk und Fernsehen, und bislang auch nicht das Internet. Weder Dampfmaschine noch Automobil oder Flugzeug, weder Elektronik noch Atomforschung. Und auch nicht die bisherigen Computertechnologien.

Ich teile deshalb im großen Maße die Skepsis von Chris Duane. Es gibt keine sichere Krypto-Währung, allein schon weil es kein komplett unabhängiges Datennetz gibt. Außerdem gibt es immer den Endverbraucher, der vom Überwachungsstaat lokalisiert und kontrolliert werden kann. Eine hochkomplexe Technologie ist immer verletzlich, und da, wo sie noch nicht im obrigkeitlichen Zugriff steht, wird dafür leider am Ende doch gesorgt werden.

Ähnliches gilt natürlich auch für Gold und Silber. Aber ihre eindeutige Stärke besteht in der Unabhängigkeit vom aktuellen Stand der Gesellschaft, des politischen Systems und der technischen Infrastruktur. Im Falle des zu erwartenden, weil letztlich durch mathematische Gesetzmäßigkeiten unvermeidlichen Zusammenbruchs des Papier-Falschgeldsystems und der damit eng verzahnten modernen Massengesellschaft stellen Kryptowährungen kaum eine krisenfeste Anlage dar, eben weil der Speicherungsaspekt dann ebenfalls gefährdet wäre.

Als letzten, ebenfalls nicht unerheblichen Punkt möchte ich noch den dem Geld als Werttransfermedium zugrundeliegenden Leistungswert ansprechen. Von dem zur Generierung von Kryptowährungen benötigten Computer-Rechenaufwand abgesehen werden Kryptos, genau wie das zur Zeit herrschende Papiergeld, "aus dem Nichts" erschaffen. Selbst wenn hier Geldmengenbegrenzungen im Regelwerk (in den Erzeugungsalgorithmen) festgeschrieben sind (wie bei Bitcoin), können diese auch wieder revidiert werden. Statt der Zentralbanken, die das Papiergeld beherrschen und völlig nach Belieben jederzeit neues Geld aus dem Nichts erzeugen können, haben wir es mit zumeist ebenso anonymen Gremien zu tun, die die Regeln der Kryptowährungen festlegen und auch durchaus wieder ändern können. Man kann davon ausgehen, daß auch hier, wie beim Papiergeld, die Verlockung, leistungslos weiteres Geld zu schaffen, schwer zu unterdrücken sein wird. (Wodurch dann gleichzeitig eine Übervorteilung aller bisherigen Geldbesitzer stattfindet, Stichwort Inflation.)

Schlußfolgerung: Geld, das nicht tangibel und unveränderbar ist, das von im Hintergrund existierenden Zirkeln und Gremien kontrolliert wird, das nur "auf dem Papier" oder "im Computer" oder "im Internet" existiert, aber nicht für jedermann und jederzeit zweifelsfrei verifiziert und gemessen werden kann, mag zwar die Bezeichnung Währung, aber nicht die von echtem Geld verdienen. Aus eben diesem Grund kommt es auch zu Spekulationsblasen und zu Glücksrittertum durch Gründung "neuer Währungen", wodurch zumindest Ähnlichkeiten zu Schneeball- und Ponzi-Schemata auftreten. Je hohler und auf nur vordergründigem Schein basierend eine Gesellschaft ist, desto größer die Verlockung, ohne dahinterstehende Leistung reich zu werden bzw. andere, die sich von der Faszination anstecken lassen, zu übervorteilen.

Blog

Weiter →

Reschke ▶ reschke.de
Reschke Bücher ▶ buecher.reschke.de
Uhren-Wiki ▶ uhren-wiki.de
Watch Wiki ▶ watch-wiki.net
Zeitgefühl ▶ zeitgefuehl.de
Freunde der Freiheit ▶ reschke.de/fdf
GLR Architektur ▶ architektur.reschke.de
GLR Magazin ▶ magazin.reschke.de
GLR Laufen ▶ laufen.reschke.de
Zamdorf ▶ zamdorf.reschke.de
Selbsterkenntnis-Schule ▶ selbsterkenntnis-schule.de
Selbsterkenntnis Wiki ▶ selbsterkenntnis-wiki.de
Praktische Selbsthilfe Wiki ▶ selbsthilfe-wiki.com
BitTube ▶ bit.tube/GLR
BitChute ▶ bitchute.com/channel/glr/
YouTube ▶ youtube.com/wertperspektive
Dailymotion ▶ dailymotion.com/wertperspektive/
Minds ▶ minds.com/glreschke

Haftungsausschluß: Für Inhalte, insbesondere Einschätzungen und Empfehlungen, wird trotz sorgfältiger Auswahl keine Haftung übernommen. Es handelt sich ausdrücklich um keine Anlage- oder sonstigen Finanzierungsempfehlungen, sondern um unverbindliche Informationen im Sinne von Meinungsäußerungen. Die Nutzung aller Veröffentlichungen geschieht auf eigene Verantwortung. Für eine rechtlich verbindliche Beratung wenden Sie sich bitte an die dafür zuständigen Berufsgruppen.
Der Seitenbetreiber übernimmt auch keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der bereitgestellten Informationen. Desgleichen kann keinerlei Verantwortung für etwaige Folgeschäden übernommen werden, die direkt oder indirekt aus dem Gebrauch von hier vorgefundenen Aussagen oder Informationen entstehen. Dies gilt ebenso für Verlinkungen und für von Internetdiensten (Feeds) automatisch eingespeiste Links und Texte.

Startseite | GLR Bücher | HTML5
Copyright © 2019 Gerd-Lothar Reschke | Impressum | Datenschutz