Wertperspektive

Vom Falschgeldsystem zu echten Werten

Strategie und Taktik des Agenda Setting

Von GLR | 14.12.2017 10:50

Lebensnah und täglich können wir miterleben, wie in Deutschland seitens der AfD, aber auch der meisten anderen oppositionellen Kräfte und Bewegungen immer dieselben Fehler begangen werden, mit denen sich derartige Initiativen selbst am Erfolg hindern.

Timm Klewer hat dazu einige Gedanken aufgebracht, die in die richtige Richtung führen, aber mit ziemlicher Sicherheit von der AfD nicht übernommen werden. Weiter unten meine Anmerkungen bzw. Kommentare dazu.


Hier zwei meiner Kommentare dazu:

1

Wie schon gesagt: viel zu bieder! Was Du schreibst, sage ich schon seit Jahren. Als erstes würde ich die Staats- und Hauptmedien komplett boykottieren. Wo ist der Nutzen, sich dort einzuschleimen, wenn man ohnehin völlig verzerrt dargestellt und, um es klar zu sagen, bekämpft wird?

2

Ich habe mir das genau überlegt, weil ich seit Jahren mit derartigen Situationen zu tun habe. Wenn Du in ein Medium gehst, das Dir feindlich gesonnen ist, wirst Du da nie einen Blumentopf gewinnen. Du müßtest dort den Raum und die Zeit bekommen, das Medium selbst zu thematisieren, aber das werden sie sofort unterbinden. Sonst wären sie keine Profis. Sie unterbinden das immer.

Ein Beispiel war diese verlogene Aktion "Sag's mir ins Gesicht". Ich habe gleich empfohlen, sich dort nicht zu beteiligen. Man muß es umgekehrt machen: Man muß selbst das Setting bestimmen und dann andere einladen. Dann hat man die Möglichkeit, alles, was ansteht, offen anzusprechen, ohne daran gehindert zu werden.

Natürlich haben die Staatsmedien mit "Sag's mir ins Gesicht" auch einen Fehler gemacht, den sie übrigens nicht mehr wiederholen werden: Sie haben die (berechtigte) Kritik zu Wort kommen lassen (übrigens auch wohlkontrolliert — was aber nicht offen kommuniziert wurde, um den Anschein völliger Aufgeschlossenheit und Redefreiheit zu suggerieren). Ihre Methode: Sie werden es immer so hindrehen, daß die oppositionellen Stimmen auf eine Weise ins von vornherein feststehende Gesamtmuster, das "gewünschte Bild", eingebunden werden, daß durch scheinbares Pro und Contra (Hegel'sche Dialektik) nichts anderes als der vorausgeplante, beim Zuschauer zu erzielende Eindruck dabei herauskommen wird.

Wenn Du Dir Trumps Vorgehensweise anschaust, kannst Du einiges lernen. Er wendet fundamentale Marketing-Methodiken an, die er in etlichen seiner Bücher auch genau erklärt hat. Er bestimmt stets selbst die Agenda und läßt sich die Initiative nie aus der Hand nehmen. Ich habe ihn vor Jahren einmal dabei erlebt, wie jemand ihn interviewen wollte und dann anfing, sich selbst darzustellen. Trump ist wortlos mitten in der Szene aufgestanden und hinausgegangen. Der würde sich nie auch nur für 2 Sekunden für etwas hergeben.

Das gilt übrigens für alles im Leben, nicht nur für die Medien und die Propagandainstanzen oder Parteien.

Am Beispiel Trump kann man alles lernen, was zu lernen ist. Es geht in erster Linie darum, an den Punkt der initialen Initiative zu gelangen. Dies geschieht über Lenkung der Aufmerksamkeit. Begebe ich mich auf eine mir feindlich gesonnene Plattform, so hat diese die Kontrolle über die Aufmerksamkeit. Sie bestimmt, wie und wodurch, mit welcher Färbung, ein von der Plattform bzw. ihren Verantwortlichen angestrebter Eindruck erzeugt wird. Es verhält sich hier nicht anders als wie bei einem Regisseur, der alle verfügbaren Ressourcen (Drehbuch, Schauspieler, Kameraführung, Ort und Zeit der Handlung, Thema) zur Erschaffung des intendierten Zwecks benutzt.

Die heutige politische Landschaft funktioniert praktisch ausschließlich über diese Methoden und Techniken der Aufmerksamkeitsfesselung, Umlenkung, Färbung und Vorausinterpretation. Es werden nicht Fakten, sondern Bewertungen geliefert. Der normale Konsument bemerkt das nicht; er bildet sich immer noch ein, von Nachrichtenkanälen "informiert" zu werden. Er will es auch nicht bemerken, weil er sich sonst gewahr werden würde, wie stark man ihn bereits zum unfreien Spielball von Interessen degradiert hat.

Ein Schlüssel zu Trumps Vorgehensweise besteht in der Instrumentalisierung aller Medien zu seinem eigenen Zweck. (Den ich für weitgehend uneigennützig halte, was letztlich ein Glück und in der heutigen Zeit ausgesprochen untypisch ist.) Deshalb hat er sich mit Twitter einen eigenen direkten Mitteilungsweg an die Masse der US-Bevölkerung geschaffen. (Ohne das Internet gäbe es keinen Präsidenten Trump.) Die großen konventionellen Medien in den USA reagieren stets auf die von Trump initialisierten Themen und Augenmerke. Wie schon beobachtet wurde, spielt er auf den Medien wie auf einer fein gestimmten Geige. Die zu über 90% links orientierten Standardmedien versetzt das natürlich in Rage. Was wir erleben, ist ein Krieg auf intelligentester Ebene, ein Kampf um die Vorherrschaft im Informationsbereich. Wer hier gewinnt, der kann auch entscheiden, in welche Richtung sich die Politik entwickelt.

Soviel zu Trump und den USA. In Deutschland sehe ich keine Parallelen. Die Strategie der AfD (sowie meinem Eindruck nach auch sämtlicher anderen oppositionellen Kräfte) ist bieder, altbacken, rückwärtsgewandt und ineffektiv. Der größte Fehler ist die Dauerempörtheit und das ständige Sich-Beschweren — übrigens sind das Verhaltensweisen, die normalerweise charakteristisch für linke Politik sind. Empörung, Entrüstung, verbissenes Moralisieren und Belehren-Wollen kennen wir speziell von den Grünen, aber seit diese sich im Zeitgeist und Mainstream wiederfinden, ist dieses Verhaltensmuster zum rechten Spektrum der Politik, das sich nun in die Defensive gedrängt fühlt, hinübergewandert. Empörtheit und Jammern sind Kennzeichen von Losern, nicht von Gewinnern. Man bildet sich sogar noch ein, wenn noch viel mehr Menschen hierzulande in diesen Chor einstimmten, könnte man das Ruder herumreißen. Natürlich ist das kraftlos und wenig erfolgversprechend. Was eine Gesellschaft, deren Wut und Enttäuschtheit ein gewisses kritisches Maß überschritten hat, in einem Land wie Deutschland am Ende zustande bringt, hat uns die Geschichte bereits anschaulich genug vorgeführt.

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