Wertperspektive

Vom Falschgeldsystem zu echten Werten

Zum Aspekt der Abgrenzung von bestimmten Gruppierungen oder deren Ansichten

Nachfolgend ein älterer Text, den ich ca. im November 2012 geschrieben habe, aber der immer noch unverändert aktuell ist. Unterhalb des Textes dann noch meine aktuellen Erfahrungen und Aufschlüsse.


Es kam anläßlich eines hier eingebundenen Videos per Mail eine Frage in diesem Kontext. Da ich hinsichtlich des Themas Abgrenzung eine offenbar sehr unübliche und vom grassierenden Mainstreamdenken komplett verschiedene Herangehensweise habe, möchte ich das einmal ansprechen und erklären.

Ich komme aus der Schule der exakten Wissenschaften, wo allein Wahrheitssuche, Fakten und Evidenz zählen. Was da niemals zählen kann und darf, ist, wer etwas sagt (oder nicht sagt). Nehmen wir an, ein Mensch aus einer Gruppe, die bestimmte fragwürdige Ziele verfolgt, sagt etwas Zutreffendes. Dann werde ich ihm recht geben. Ich sehe keinen Grund, mich von seiner Aussage zu distanzieren. Und ich weise auch energisch Forderungen in dieser Richtung zurück; ich empfinde sie als bösartig und dumm.

Beispiel: Während der Arbeit im Parteiprojekt "Bürger stehen auf" hatten wir Teilnehmer, die wünschten, daß wir uns von Rechtsextremen und Nationalisten abgrenzen sollten, weil wir sonst keine Chance hätten. Ich sagte und schrieb, ich würde so etwas schon ganz grundsätzlich nie tun — und zwar nicht, weil ich mich zu solchen Gruppen hingezogen fühlte (ganz im Gegenteil), sondern weil ich fände, daß, wenn von dort kommende Leute etwas Richtiges sagten, sie dafür Zustimmung verdienten.

Ich sehe quasi die Wahrheit als Zentrum, und Menschen, die sich ihr nähern, sollten in dieser Richtung positiv bestärkt werden. Abgrenzung ist hingegen von ganz anderen, zumeist unbewußten Motiven gespeist: Mißtrauen, Projektion, Mitläufertum, political correctness, Denunziation, öffentliches Fertigmachen. Das ist eine ganz üble Strategie, die ich zutiefst verabscheue, und das genaue Gegenteil von Freiheitlichkeit.

Man kennt solche Methoden vor allem aus schein- und pseudoreligiösen Richtungen. Das Verdächtigen hat ja bekanntlich mit dem Hexenwahn eine besonders schreckliche Dimension erreicht; der Sektenwahn (Verdammen von abweichenden religiösen Auffassungen und automatisches Setzen des Kirchendogmas als legitimere Sichtweise) ist aus ähnlichen Ursprüngen gespeist. Nämlich einer unbewußten tiefsitzenden Angst, die auf den Auslöser projiziert wird. Anderartigkeit, Ungewohntes, nicht Integriertes löst solche Angst aus.

Zweites Beispiel: Bei der Anti-ESM-Demo in München wiederholten Vertreter der Freien Wähler, und zwar weil sie sich gegen dieses im Raum stehende Fertigmachen (seitens der Systemmedien, insbesondere mehrerer in München dominierender Zeitungen) absichern wollten, gleich mehrere Male, sie hätten nichts mit Rechtsextremisten gemein und würden diese auffordern, den Platz zu verlassen. Ich fand das nicht stark, sondern schwach und enttäuschend. Wenn man für eine Sache einsteht, die gut ist, hat man so etwas nicht nötig. Wenn die Medien einen dafür angreifen, muß man sich dem stellen.

Beifall von der "falschen Seite" gibt es nicht. Wenn eine Sache wahr und echt ist, ist Beifall ebenfalls richtig. Wenn 1+1=2 ist, wird das nicht deshalb suspekt, weil ein Neonazi genauso rechnet.

Ich weiß, daß in einer politischen Welt zumeist mit Schmutz geworfen wird und damit bei der Masse Erfolge eingeheimst werden, und viel seltener durch Wahrheit, Echtheit oder echte Verdienste und Leistungen. Das ist das politische Verständnis derjenigen, die im Geiste arm und im Bewußtsein verkümmert sind. Ich habe ein anderes. Wahrscheinlich passe ich deshalb auch nicht in solche Bewegungen, aber das macht auch nichts. Ich habe keine Aktien in Intrigen, Ressentiments und Massenverblödung. Ich finde ein politisches Geschäft, das daraus Karriere macht und Macht erlangt, abstoßender als jegliche Form von Kriminalität. Deshalb tue ich das, was ich für richtig und nötig halte, gegebenenfalls auch ganz alleine, und sogar, wenn erforderlich, als einziger.

Die aktuelle politische Lage in Deutschland ist übrigens viel stärker von diesem politischen und weltanschaulichen Korrektheitswahn geprägt wie zu allen anderen Zeitphasen, die ich seit den 1960er Jahren erlebt habe. ("Rechtsextremer", "Verschwörungstheoretiker" oder "Esoteriker" sind, ob im Einzelfall angebracht oder nicht, inzwischen zu Totschlag-Begriffen geworden, die sogar Berufe kosten und Existenzen ruinieren können. Ich nenne nur mal das Wort "Scientology". Schon werden in den allermeisten Menschen reflexartig Abneigungen und Ekel ausgelöst. Ja, warum eigentlich? Schon mal was von Religionsfreiheit gehört?) Der politische Konkurs ist alles andere als offen und erkenntnisorientiert, sondern das Fertigmachen und Denunzieren nimmt Ausmaße an, wie es sie vorher wohl nur in den 1930er Jahren hier gegeben hat.

Mein fester Eindruck ist, daß wir uns einem dunklen Zeitalter nähern, bei dem der allgemeine Wachheits- und Bewußtheitsgrad ab- statt zunimmt. Das ist für mich auch der eigentlich Grund der Krise. Es ist zuallererst eine geistig-seelische Krise, von der ganze Kulturen erfaßt sind. Diese Kulturen treiben in die Dunkelheit hinein und auf eine zerstörerische Katharsis zu. Es ist unangenehm, diese Entwicklung bereits im Vorfeld mit solcher Klarheit miterleben zu müssen, ohne etwas dagegen tun zu können.

Aber diese Krise hat auch einen Sinn und einen Zweck: Erst durch diesen bevorstehenden Übergang werden die Kräfte, die wir für ein sinnerfülltes und glückliches Leben unbedingt brauchen, wiederbelebt werden. Denn sie sind in Jahrzehnten des Überdrusses und der Abstumpfung eingeschläfert worden. Echte Werte wie Sinnhaftigkeit, Wahrheit, Freiheit und Ehrlichkeit müssen erst verunklart werden, bevor sie als das wiedererkannt werden können, was sie wirklich sind und bedeuten. Solche Werte gibt es nie umsonst, sondern sie müssen verdient werden, und das bedeutet oft auch Leiden.


Im nachhinein muß ich zugestehen, obigen Einsichten, die ich so, wie sie da stehen, total schlüssig und richtig finde, in etlichen Fällen selbst nicht gerecht geworden zu sein. Das hat sicher Gründe, die im eigenen Ego zu suchen sind. Abgrenzung ist nicht nur eine politische oder rationale Vorgehensweise, sondern entspricht ziemlich genau der Einstellung, die das Ego (falsche Ich-Vorstellung) gegenüber der Welt und damit auch gegenüber allen anderen Menschen einnimmt. Man tendiert so gesehen also immer eher zur Abgrenzung statt zu einer offenen und toleranten Haltung!

Um das, was oben schon erklärt wurde, noch einmal an dieser Stelle herauszuarbeiten: Selbstverständlich gibt es Punkte, an denen man etwas, das andere sagen, denken oder tun, komplett falsch findet. Ein gutes Beispiel sind scheinbar systemkritische, alternativ gesonnene Einstellungen, die zu neuen ungedeckten Papiergeldkonzepten oder sozialistischen Lösungen tendieren. Wir haben aber, ob man das nun gut findet oder nicht, starke Bewegungen in dieser Richtung, gerade und auch im systemkritischen Bereich. Nehmen wir obigen Ansatz, dann ist es zum einen nicht nur richtig, sondern auch geboten, diesen in die Irre führenden Konzepten zu widersprechen und die eigenen besseren Ideen und Vorschläge auch deutlich mitzuteilen. Auf der anderen Seite aber ist es völlig falsch und unproduktiv, sich in die Kritik der dortigen Personen und Protagonisten zu verbeißen, persönliche Feldzüge anzuzetteln und sich so gesehen auf einen völlig isolierten Posten zu begeben, der niemanden beeindrucken wird. Denn gerade die ständige Rechthaberei und Ausgrenzerei wirkt, meist ohne daß wir selbst das bemerken, auf andere sofort abstoßend und auch ziemlich entlarvend. Und sie haben hier, quasi als Außenstehende, auch den richtigen Instinkt. Querulantentum kommt nie gut an.

Ausgehend von der Einsicht, daß die Energie immer der Aufmerksamkeit folgt, kommen wir leicht zu einer Lösung: Es geht einfach immer nur darum, die Aufmerksamkeit (und damit auch die Energie) dorthin zu lenken, wo etwas Fruchtbares und Sinnvolles zu finden ist. Das allein reicht. Das Ankämpfen gegen Falsches hingegen stärkt im Endeffekt bloß das Falsche.

Nur unter Beachtung dieser gar nicht unwichtigen Punkte kann so etwas wie eine neue, gesellschaftlich auch beachtete Gegen- und Aufklärungsbewegung inmitten einer von Lügen und Verdrehungen nur so strotzenden Epoche zustandekommen.

Gerd-Lothar Reschke
ca. Nov. 2012, ergänzt am 10.8.2014

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