Wertperspektive

Vom Falschgeldsystem zu echten Werten

Was ist Geld?

Gerd-Lothar Reschke — 27.3.2012

Was ist Schwerkraft? Um diese Frage zu beantworten, braucht man da einen Physiker? Oder weiß man das selbst? Was ist eine Heizung? Kann das nur ein Fachmann definieren, oder weiß auch der Durchschnittsbürger, was mit diesem Wort gemeint ist? Und was ist Geld?

Die letzte Phase eines untergehenden Gesellschaftssystems ist die Dekadenz. Dekadenz hat mehrere Merkmale: Scheinbar ungefährdeter Wohlstand. Der Schwerpunkt der Lebensführung liegt auf dem Konsum. Und auf Unterhaltung, und zwar möglichst totaler Unterhaltung. Hinzu kommen: Naivität, Desinteresse, Verzicht auf eigenes Denken. Man läßt denken. Und man verdrängt. Man steckt den Kopf in den Sand. Selbst wenn alle schon ahnen, daß es nicht mehr lange so weitergehen wird mit dieser Art zu leben, will man nichts anderes wissen.

Unser Geld stirbt. Es ist kein Geld, es ist nur noch Scheingeld. Und damit stirbt die Grundlage des Werteaustauschs und somit der Wirtschaft. Als nächstes stirbt der Wohlstand, denn er ist nur noch fiktiv. In Wahrheit ist das Fundament schon längst verschachert. Die Billionenrettungsschirme von Frau Merkel, Herrn Juncker und der EZB sind reine Hirngespinste und Vortäuschungen, die nie mehr real bezahlt und somit durch irgendetwas Reales unterfüttert werden können. Daß Ehrlichkeit, Fairneß, Wahrhaftigkeit, Verantwortung und alltägliche Logik auch sterben, ja zunehmend mit Füßen getreten werden und daß Lüge, kriminelles Übervorteilen, Tricksereien und Fälschungen jeder Art die öffentliche Fassade okkupieren, brauche ich wohl nicht weiter auszuführen. Die Verbrecher sitzen ganz oben und werden bewundert und hofiert; ehrliche Menschen sind ganz unten und werden nicht mehr berücksichtigt oder erwähnt.

Interessant ist nun, daß in dieser Endphase auch das Verständnis dessen, was Geld ist, völlig unter die Räder kommt. So, als wüßte keiner mehr, was Schwerkraft ist, oder eine Heizung. Denn während das Scheingeld seinen Scheincharakter tagtäglich mehr offenbart, sprießen neue Hirngespinste von Utopisten wie Sumpfblüten hervor und überwuchern jegliche Chance zu ernsthaftem Nach- und Selberdenken.

Geld ist ein Tausch- und Aufbewahrungsmittel für Werte. Es muß sich um ein von der Masse der Menschen übereingestimmtes Tausch- und Aufbewahrungsmittel handeln, also muß es maximale Zuverlässigkeit haben. Und es darf nicht willkürlich herstellbar sein, sondern muß den ihm innewohnenden Wert erhalten. Jederzeit nachprüfbar und glaubwürdig muß es sein. Ich denke, das reicht bereits als Definition. Was Geld ist, wissen Menschen seit mehr als zehntausend Jahren. Waren die alle früher dümmer, oder waren die etwa sogar klüger als die heutigen Bürger der angeblich so fortgeschrittenen Zivilisation?

Während das Scheingeld seinen Schein- und Täuschungscharakter offenbart, entsteht ein konfuses Durcheinandergerede der verrücktesten Konzepte. Geld dürfe nicht der Wertaufbewahrung dienen, das sei "Horten" und somit "unmoralisch". Geld dürfe auch keinen ihm innewohnenden Wert haben, sondern müsse von Institutionen künstlich aus dem Nichts, quasi ohne Aufwand, erzeugt werden können. Geld müsse der Gerechtigkeit dienen. Geld dürfe nicht verliehen werden können (Leihgebühr gleich Zins, und diese Leihgebühr sei wiederum unmoralisch und ein Sinnbild alles Bösen). D.h. Geld sei dazu da, daß, wer es hat, anderen abgeben müsse, die es nicht haben. Wer das nicht tut, schadet der Gemeinschaft. Und so weiter und so fort. Es gibt nun die verschiedensten, sehr komplizierten und zumeist widerstreitenden Konzepte und Planmodelle. Die Wahrscheinlichkeit, daß eines von diesen umgesetzt wird, ist zwar gleich null, und außerdem hat es in den letzten zehntausend und mehr Jahren keines dieser Modelle geschafft, auf längere Zeit — oder überhaupt — realisiert und praktiziert zu werden. Aber das kümmert unsere Utopisten und Visionäre nicht.

Diese Verwirrung im Denken und der damit einhergehende Verlust jeglicher praktischen Vernunft ist für mich fast noch mehr ein Sinnbild für die Dekadenz unserer Zeit als der Verfall des Papiergeldsystems. Das Papiergeld funktioniert so gerade noch, und es hat es geschafft, sogar ein paar Jahrzehnte zu überleben. Die Utopien jedoch werden keine paar Minuten überleben.

Daß die Leute nicht mehr mit ihrem gesunden Menschenverstand an das Simpelste von der Welt herangehen können, sagt alles. Ja, so etwas hat es auch schon gegeben, wenn wir in der Geschichte zurückblicken. Dekadente Systeme wirkten in ihren letzten Zügen immer extrem irrational, und im Geschichtsunterricht der kommenden Generation fragen sich dann erstaunte Schulkinder, wie es dazu je kommen konnte und warum man das nicht gleich gemerkt hat. Die Täuschungen, Selbsttäuschungen und falschen Heilsversprechungen brauchen immer zwischendurch einen harten Zusammenstoß mit der Wirklichkeit, um wieder geradegerückt zu werden. Das läßt sich dann leider auch nicht vermeiden. Denn es geht nun mal nicht anders.

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