Wertperspektive

Vom Falschgeldsystem zu echten Werten

Obamas Verschuldungsvorhaben: Der falsche Plan

Anmerkung 22.8.2009:
Ich stelle diesen früheren Text hier wieder ein, um zu zeigen, daß ich seinerzeit (25.1.2009) bereits den richtigen Instinkt gehabt habe, als ich auf Anhieb sicher gewesen bin, daß der neue Präsident sich hier auf einen ganz fatalen Fehler eingelassen und gleich zu Beginn seiner Amtszeit eine verhängnisvolle Richtung eingeschlagen hat. (Man achte auch auf den geänderten Tonfall bei den Kommentaren zum untenstehenden YouTube-Video.)
Auch mein Vergleich mit Robert Mugabe, der damals etwas weit hergeholt erschienen sein mag, bestätigt sich inzwischen mehr und mehr. Hinzu kommt natürlich die faszinierende rhetorische "Verpackung", mit der Obama anfangs noch so viele Sympathien (auch meine) auf sich gezogen hat, und die sich leider immer mehr als täuschende Schauspielerei ohne Substanz erweist.


24.1.2009: In his first weekly address since being sworn in as the 44th president of the United States, President Barack Obama discussed how the American Recovery and Reinvestment Plan will jump-start the economy.


Obamas großangelegten Plan ("stimulus package", offiziell: "Recovery and Reinvestment Plan") mit der Aufnahme neuer Schulden in Höhe von 787 Milliarden US-$ halte ich nicht nur für undurchführbar, sondern auch im Ansatz für falsch. Seine Herangehensweise ist von einem klassischen Top-down-Denken geprägt, wie es im Sozialismus kennzeichnend ist und auch bei Leuten wie Oskar Lafontaine als ständiges Grundmuster auftaucht. Man kann solche Veränderungen, wie er sie sich vorstellt, weder planen noch durchsetzen. Außerdem besteht ein krasser Widerspruch zwischen der Idee einer Bewegung "von unten", durch Mitwirken etwa via Internet und andere öffentliche Austauschplattformen, und diesem Lenken-, Verteilen- und Ausschütten-Wollen von oben. Es ist wieder der falsche Ansatz der vermeintlichen Korrektur im Namen von "mehr Gerechtigkeit". Alles schöne Ideale, die dann in der Realität oft schneller in Zwang und Diktatur umschlagen als zuvor für möglich gehalten.

Es ist in diesem Zusammenhang interessant, sich nochmal das Koordinatensystem des Politischen Kompasses zu vergegenwärtigen, dann läßt sich auch besser die Dynamik der nur scheinbar in linearem Bezug stehenden Pole von Links und Rechts, Kapitalismus und Sozialismus/Kommunismus sowie autoritär vs. antiautoritär nachvollziehen. Obama vollzieht hier eine Bewegung nach links oben. (Er tendiert also, wenn man das Diagramm "International Chart" betrachtet, in Richtung eines Robert Mugabe.)

Zur weiteren Veranschaulichung siehe auch diese Schaubilder:

Meine Perspektive, wie schon erwähnt, befindet sich in der Mitte ganz unten, also beim klassischen Anarchismus. Ich sage, daß sich gar nicht "regieren" läßt, im vermeintlichen Sinn des Begriffs (nämlich daß sich von der Seite der Ideen und daraus entwickelten Konzepte her etwas steuern ließe). Was passiert ist das, was latent ansteht und wo die Energie hinstrebt. Ganz gleich, ob das nun ethisch erscheint oder unethisch, ob es Krieg oder Friede, Wirtschaftskrise oder Wirtschaftsaufschwung ist. Man muß das alles in einem einzigen Zusammenhang, in einem sich abwechselnden Auf und Ab, einem unablässigen Zusammenspiel sehen und verstehen. Man kann nicht mit einer Idee hingehen und dem entgegenwirken; solche Ideen lösen nichts aus, sondern werden vom Leben einfach neutralisiert und hinweggefegt. Die bisherige Wirkung von Obama basierte nicht auf Konzepten, sondern auf einer bereits latent vorhandenen Entwicklungstendenz, einem kollektiven Wollen, wie gleichzeitig auch auf einer Furcht vor möglichem Verlust von Wohlstand. Natürlich ist jedes Versprechen, einer durch eigenes Verhalten mit ausgelösten Krise zu entgehen, einfach nur Selbstbetrug. Und damit komme ich zur Schwachstelle seiner Ankündigungen: Die eigentlichen Sünden des Systems, die die Krise mit ausgelöst haben, werden nicht thematisiert. Es soll einfach, basierend auf dem alten Denken der Finanzwelt, neu investiert und damit neuer Anreiz geschaffen werden. Aber wie soll das klappen?

Das Leben sieht für derartige Situationen die Krise als Heilung vor. Erst muß die Krise durchlebt werden, damit sich etwas ändern kann. Und erst die Krise, also das tatsächliche Erleben des Zusammenbruchs alter Konzepte und das Leiden an der Kollision dieser Konzepte mit dem Leben und der Wirklichkeit selbst, bewirkt einen Bewußtwerdungseffekt. Genau das wird, so ist meine Prognose, demnächst auch eintreten. Der Kapitalismus, getrieben von Gier und Besitzstreben, versucht aus jeder Situation kurzfristig den eigenen Nutzen herauszuschlagen; der Sozialismus/Kommunismus versucht, motiviert durch vordergründige Vorstellungen von Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit, diese Auswüchse und ihre Folgen planend und lenkend zu korrigieren (womit er immer nur Reaktion auf ersteren Impuls bleibt), und der Anarchismus läßt dem Lebensstrom freien Lauf. Nur der Anarchismus (ich meine hier den echten, weithin unbekannten, nicht irgendeine von Haß und Neid getriebene Politik der Zerstörung) bezieht beide Seiten der Wirklichkeit, die aufbauende wie die umstürzende, mit in sein Verständnis ein. Man kann statt Anarchismus auch einfach "das Leben selbst, in seiner Urgewalt" sagen.

Der Unterschied besteht aber bei letzterem Verständnis darin, die geschehenden Veränderungen bewußt in Kauf zu nehmen und damit auch die Möglichkeit zu erlangen, sie bewußt, also verantwortungsvoll, gelassen und intelligent, zu konfrontieren. Alles andere ist nur blinde Reaktion, ist Getriebenheit entweder durch Instinkte oder durch mentale Konzepte, durch Philosophien und Ideologien.

Aber nur eine starke Gesellschaft kann dieser letzteren Sichtweise standhalten. Verwöhnte, oberflächliche und unreife Gesellschaften und Kulturen werden entgegen all ihrem Sträuben in den Untergang gezogen. So verhält es sich also im Leben mit menschlichen Kollektiven genauso wie mit Individuen. Im größeren Maßstab gelten dieselben Gesetzmäßigkeiten, und keine kollektive Kultur kann vor Untergang und Verfall bewahren. Sie ist diesen Seiten des Lebens genauso unterworfen wie jeder Einzelne. Eine reife, hochstehende Kultur bezieht dieses Wissen mit ein und durchläuft dadurch einen ständigen Erneuerungsprozeß. Diese Reife sehe ich aber bei der US-amerikanischen Kultur nicht gegeben, und daran werden auch alle persönlichen Qualitäten ihres hochrespektablen neuen Präsidenten nichts ändern können.

Gerd-Lothar Reschke
25.1.2009

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